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Quer gedacht und klar beschlossen
Beste Zusammenarbeit und ein Forderungskatalog: Die Tagung "Leben lernen: inklusiv weiterbilden" war ein voller Erfolg!
Wie konkret die Ergebnisse sind, hat die Leiterin des Fachbereichs Bildung und Freizeit im Martinsclub überrascht. „Grundsätzlich wollen wir Angebote, die offen sind für alle, aber wir wollen auch die Wahlmöglichkeit, uns für geschlossene Gruppen zu entscheiden“, fasst Jessica Volk den wichtigsten Beschluss der Tagung zusammen. „Wir“, das waren knapp 80 Teilnehmer aus Bremen, Hamburg, Schwalmstadt, Seevetal, Nürnberg, Frankenberg, Kassel, ja, sogar aus Frankreich. Bildungsinteressierte Menschen mit und ohne Behinderung sind am 18. und 19. November zusammengekommen.
Die Frage, die hinter der Veranstaltung stand: Wie soll inklusive Erwachsenenbildung aussehen, welche Erwartungen haben Menschen mit Behinderungen? Eine Antwort darauf gab es nicht, auch nicht nach zwei Jahren Gültigkeit der UN Behindertenrechtskonvention in Deutschland. Dabei ist das Dabei-sein in der Erwachsenenbildung ein Menschenrecht, schreibt diese Konvention vor.
Aber: Ist ein voller Zugang überhaupt gewünscht? "Ich war vorher skeptisch, ob tatsächlich alle grundsätzlich Bildung für alle wollen", sagte Volk. Die Leiterin für den Fachbereich "Bildung und Freizeit" ist im Martinsclub für mehr als 60 wöchentlich stattfindende Kurse und Veranstaltungen verantwortlich.
Drei Arbeitskreise, 30 Experten in eigener Sache
Um Menschen mit Behinderung direkt zu fragen, welche Wünsche und Erwartungen sie haben, luden die Organisatoren am ersten Tag ausschließlich Menschen mit körperlicher oder geistiger Beeinträchtigung zur Gruppenarbeit ein. Etwa 30 Teilnehmende setzten sich zu den drei Themenfeldern "Berufliche Bildung", "Lebenspraxis, Kulturtechniken" und "kreative Bildung" zusammen. Dort haben sie erörtert, was und wie viel sie lernen wollen, was sie von den Dozenten erwarten und welche Rahmenbedingungen sie brauchen.
Heraus kamen große Papierbögen mit klaren Aussagen: "Lob ist wichtig", bekamen alle Teilnehmer zum Themenfeld "Berufliche Bildung" am nächsten Tag zu lesen, "Respekt und Achtung" und "mehr Möglichkeiten, damit man auf den ersten Arbeitsmarkt kommt". Aber auch: "Der erste und zweite Arbeitsmarkt müssen bleiben". Denn nicht jeder wolle auf den ersten Arbeitsmarkt, kommentierte eine Teilnehmerin den Aushang. Der zweite Arbeitsmarkt biete mehr Schutz und Sicherheit, die manch einer nicht aufgeben wolle. Die Forderung nach einer Ausbildungsdauer und -ausrichtung, die auf die individuellen Fähigkeiten der Auszubildenden abgestimmt ist, fand bei allen Teilnehmern besonders viel Anklang. Auch Zeugnisse für Praktika und Zertifikate für Fortbildungen forderten die Teilnehmer der Arbeitsgruppe - da diese oft nicht angefertigt werden.
Stolpersteine benannte auch die Gruppe "Lebenspraxis". Diese Runde bezog sich vor allem auf fortbildende Freizeitangebote: Zu große Arbeitskreise, fehlende Räume, um sich auszutauschen und ein Kursleiter, der den Stoff durchpeitscht - das dürfe alles nicht sein. Auch eigene Ängste und die Ungewissheit, ob man mit seinem Lernverhalten in den Kurs passt, waren Thema. So müsse sich ein Kurs gestalten, in dem sich auch Menschen mit Behinderung wohl fühlen: Mit freundlicher Kursleitung, Getränken, guter Stimmung, spannenden Themen, einem guten Miteinander und guter Vorbereitung der Kursleitung.
Leichte Sprache und viele Bilder, kleine Gruppen und die Ankündigung von Veranstaltungen über das Radio forderte die Gruppe "Kreative Bildung". Hier wurde der Wunsch nach einer gemeinsamen Bildung für alle sehr stark in den Vordergrund gestellt. Es müsse zudem Platz für alle geben, beispielsweise auch für Rollstuhlfahrer. Um Hemmschwellen zu verringern, müsse außerdem die Öffentlichkeit besser über Beeinträchtigungen informiert werden.
Aus Erfahrung schlau
Sich zu vernetzen und sich Beispiele an bereits bestehenden Projekten zu nehmen, war ebenfalls Sinn und Zweck der Tagung. Dementsprechend machten sich die anderen Teilnehmer aus verschiedenen sozialen, Kultur- und Bildungseinrichtungen zu einer Rundfahrt auf und besuchten Orte inklusiver Bremer Projekte, wie das Blaumeier Atelier und den Verein Werder Bremen.
Am zweiten Tag kamen alle Teilnehmer zusammen, um über die Ergebnisse des ersten Tages zu sprechen und sich über konkrete Projekte auszutauschen. Corinna Mindt und Doris Geist stellten ihren inklusiven Verein tanzbar_bremen vor, Dr. Matthias Windisch (Universität Kassel) sprach über seine Arbeit bei der Volkshochschule in Kassel und Therese Kupke zeigte die (Ausbildungs-)Arbeit in den Werkstätten des Berliner Unternehmens Union Sozialer Arbeiten (USE) auf.
Es gibt schon gute Ansätze, aber es gibt noch sehr viel mehr zu tun - so das Fazit, das die Teilnehmer mit nach Hause nahmen. Insgesamt lies die Stimmung aber auch verlauten: "Wir packen es an!".
Aktuell arbeitet der Martinsclub an einer Dokumentation der Tagung. Die wird voraussichtlich Anfang nächsten Jahres an die Teilnehmer geschickt. Sollten Sie nicht vor Ort gewesen sein und interessieren sich für die Dokumentation, melden Sie sich gerne bei Jessica Vok unter der Telefonnummer: 0421 / 53747 - 51 oder per E-Mail: bildungswerk(at)martinsclub(dot)e

