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Montag, den 17.10. 2011 14:22 Von: Stephan Knorre

Inklusion kann jeder! Unsere Nachbarn zeigen wie…

Die niederländische Expertin Dr. Doortje Kal referierte im Rahmen der Vortragsreihe impuls|sozialraum zum Thema "Kwartiermaken".


„Kwartiermaken“. Klingt nicht wirklich deutsch?! Ist es auch nicht! Hinter dem Begriff verbirgt sich ein niederländisches Konzept, das Menschen mit Behinderungen eine bessere Teilhabe am Leben in der Gesellschaft ermöglicht. Wie das in der Praxis funktioniert, darüber berichtete die Expertin Dr. Doortje Kal aus Amsterdam am Freitag, den 14. Oktober, im Martinsclub.

Die Kwartiermaker sind ehrenamtliche Bürgerinnen und Bürger, deren Aufgabe darin besteht, Begegnungen zu arrangieren, die in den so genannten Passierfahrlinien im Leben behinderter Menschen nicht üblich sind. Dabei geht es um die Förderung einer gastfreundlichen Kultur, in der Ausgrenzung keinen Platz hat. „Er schafft Nischen für verletzliche Menschen, in denen diese überleben können“ sagte die Referentin.

Als überaus erfolgreich gelten beispielsweise Freundschaftsdienste: In einer Tandem-Patenschaft sollen Begegnung und Austausch im öffentlichen Raum zwischen Menschen mit und ohne Behinderung ermöglicht werden. Für den Zeitraum eines Jahres finden so regelmäßige Treffen statt, bei denen etwa eine Ausstellung besucht, ein Kinofilm geschaut oder ein Stadtspaziergang gemacht wird. Nicht selten entstehen daraus langjährige Freundschaften.

Neben individuellen Beziehungen geht es beim Kwartiermaken aber auch darum, inklusive Strukturen im Quartier zu schaffen. Alltägliche Hürden für behinderte Menschen sollen abgebaut werden. Dabei ist es wichtig, auch die Akteure vor Ort zu sensibilisieren, denn Berührungsängste bestehen auf beiden Seiten und bedürfen daher einer intensiven Auseinandersetzung.

Fachbereichsleiter Theo Dreyer bezeichnete das Konzept als „anregend, ermutigend und entspannend“. Begeistert war er von der Tatsache, dass es allein durch ehrenamtliches Engagement funktioniert. Der Martinsclub Bremen beschäftigt sich selbst seit einigen Jahren mit stadtteilbezogenen Konzepten zur Inklusion von Menschen mit Behinderungen. Ziel ist es, Teilhabechancen, Selbstbestimmung und somit mehr Lebensqualität für behinderte Menschen zu ermöglichen.

Mit der Vortrags- und Fortbildungsreihe impuls|sozialraum sollen weitere Fachkräfte für ein sozialraumbezogenes Denken geschult werden. Der nächste Vortrag zum Thema „Methodik der Sozialraumanalyse“ findet am Freitag, 25. November 2011 ab 12:30 Uhr im m|Centrum, Buntenstorsteinweg 24/26 statt. Referieren werden Prof. Frank Früchtel und Wolfgang Budde. Anmeldungen sind über www.mc-kolleg.de möglich.